Ein Wichtel als Avatar
Foto oben: Heinzelmännchen-Diorama (am Aufgang zum Drachenfels (Siebengebirge)), User:Yoshi, Wikipedia
Mehrfach bin ich in der Vergangenheit danach gefragt worden, wie ich denn auf die Idee gekommen sei, das Bild eines finnischen “tonttu” (Wichtel) als Avatar für meinen GitHub-Account (und nun auch für meine Homepage) zu verwenden. Dem liegt eine kleine Anekdote aus meinem Berufsleben zugrunde:
KI-generiert von ChatGPT (OpenAI DALL·E, 2026).
Konzept: Wichtel beantworten Mails über Nacht.
Aber die Vorstellung, mit einem geheimnisvollen Wichtel verglichen zu werden, gefiel mir außerordentlich gut.
Meine Heimatstadt Köln
Nun muss man wissen, dass die Stadt Köln seit jeher meine Heimatstadt ist und dass der Sage nach die Heinzelmännchen Kölner Hausgeister waren, die des nachts, während die Bürger schliefen, deren Arbeit verrichteten. Des weiteren findet sich gerade einmal rund 35 Kilometer von Köln entfernt das Siebengebirge, das von manchen mit dem Grimmschen Märchen Schneewittchen und den sieben Zwergen in Verbindung gebracht wird. Und dort im Siebengebirge am Aufgang zum Drachenfels findet man dann auch das am Anfang dieses Beitrags gezeigte Bild eines Heinzelmännchen-Dioramas. Und so schließt sich der Bogen zu Schneewittchen.
Die Heinzelmännchen
Die Geschichte der Kölner Heinzelmännchen hat August Kopisch bereits 1836 in Gedichtform aufgeschrieben. Und dieses Gedicht möchte ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten:
Wie war zu Cölln es doch vordem,
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul: … man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten
Und rupften
Und zupften
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten …
Und eh ein Faulpelz noch erwacht, …
War all sein Tagewerk … bereits gemacht!
Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän’ und reckten sich;
Indessen kam die Geisterschaar
Und sah was da zu zimmern war:
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg’ in Eil:
Sie sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visirten wie Falken
Und setzten die Balken …
Eh sich’s der Zimmermann versah …
Klapp, stand das ganze Haus … schon fertig da!
Beim Bäckermeister war nicht Noth,
Die Heinzelmännchen backten Brodt.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich –
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig
Und hoben
Und schoben
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brodt, … das neue, vor!
Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind,
Wie die Mühl’ im Wind:
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
That der Gesell die Augen auf:
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!
Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein.
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht:
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!
Einst hatt’ ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Und schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock bereits gemacht!
Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht;
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch, husch, husch, husch! – verschwinden All!
O weh nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruh’n,
Man muß nun Alles selber thun!
Ein Jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!
Text-Quelle:
August Kopisch, Die Heinzelmännchen, Dunker und Humblot Verlag, 1836,
Wikisource
Finnische ’tontut’ (Wichtel)
Ebenso wie in Köln haben Heinzelmännchen und Wichtel in Finnland eine sehr lange Geschichte und werden dort als tontut bezeichnet. Wie die Kölner Heinzelmännchen sind es gute Hausgeister. Hierzulande kennt man zumeist die finnischen Weihnachtswichtel, die dem Weihnachtsmann in Lappland nördlich des Polarkreises zur Hand gehen. Aber Wichtel gibt es nicht nur als Weihnachtswichtel, sondern auch als Sommerwichtel, Waldwichtel, Frostwichtel, Wasserwichtel und Saunawichtel. Wer’s nicht glaubt, kann ja mal bei Aarikka, ein finnisches Unternehmen vor allem für Deko-Artikel, vorbeischauen.
Mehr über die finnischen Wichtel lässt sich der Legende des Tonttu oder auch einem zweiteiligen FinnVillage-Blog-Beitrag (Teil 1, Teil 2) entnehmen.